Stadt / Land – Plus!

oder „Das Große im Kleinen“ …

Als wär‘s ein Slogan für‘s mittlere Hessen, für den Vogelsberg(kreis) im Besonderen: Denn hier gibt es ausnehmend viel Land und Ländliches, dazwischen „eingestreut“ kleine Städte mit langer Tradition und lebendigem Flair, und überdies die Nähe zu größeren und zu ganz großen Städten.

Immer wieder ziehen Menschen nach Alsfeld oder in dessen Umgebung, weil sich dort das Ländliche mit Autobahn- und relativer Flughafennähe sowie Bahnanschlüssen verbindet oder „verbündet“. So ergibt sich in dieser verbalen ‚Rechenaufgabe‘ das „Plus“ aus dem Ländlichen und den Vorzügen des Städtischen.

„Die Alsfelder“ leben nah genug an großstädtischer Kultur, dass die für sie erreichbar ist und ihrer Offenheit dienlich; und sie leben weit genug von ihr weg, als dass sie daran gehindert würden, ein eigenes kulturelles Leben zu pflegen und zu entwickeln ebenso wie völlig selbständige, auch ganz besondere und eigenwillige kulturelle Ansätze zu finden und zu gestalten.

Ein veritables Fluss-Gewässer findet sich zwar nicht in Alsfeld, nur das Flüsschen Schwalm (bei deren Betrachtung freilich aus „klein“ ohne Weiteres auch ‚“GROSS“ zu werden vermag: denn ihr Wasser speist die Eder, die Weser und letztlich gar das Meer). Unter anderem aber auch deshalb, weil der „gemeine Alsfelder“ nicht zum Hochstapeln neigt, haben wir in der Reihung „Stadt, Land, …“ nun allerdings den Fluss durch das „Plus“ ersetzt; und sein „u“ verweist hier insonderheit auf das starke Wörtchen mit zwei „u“, nämlich „Kultur“. Zugleich lässt sich „u“ englisch lesen und aussprechen, als „you“; und dem Menschen ein ‚“Du“ zu sein, trifft einen der Wesenskerne von Kunst und verfeinerter Kultur.

„Das Große im Kleinen“: Nicht wenige Alsfelder oder aus der Alsfelder Region stammende sind überregional, national oder international aktiv, bekannt und bedeutend geworden [vom Barock-Violinisten und -komponisten Johann Adam Birkenstock bis zum Fotografen Gerd Ludwig, vom Theologen Johann Georg Gottlob Schwarz bis zum Schriftsteller Wilhelm Schäfer, vom Zoologen Wilhelm Kobelt bis zum Rechtsphilosophen Rudolf Stammler, vom Zellbiologen und Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft Peter Gruss bis zum Kabarettisten Thomas Freitag, vom Bildenden Künstler Manfred Stumpf bis zur Fußballerin Viktoria Schwalm]; und nicht wenige sind umgekehrt aus großen Städten oder sogar aus der ‚großen weiten Welt‘ ins ebenso beschauliche wie weltoffene Alsfeld gekommen, um ihr eigenes und das Alsfelder stadt-ländliche Leben zu bereichern.

Wie kamen wir, die Kulturtage-Planer, uns teilweise zu den Letzgenannten zählend, gerade für 2017, für die 4. Auflage der Veranstaltungsreihe auf dies Motto?

Die Spannung zwischen großstädtischem Ballungsraum und „flachem Land“ bzw. der oft genug strukturschwachen ländlichen Region sowie das konfliktträchtige Aufeinandertreffen von „großer Welt“ und (vermeintlich) heimatlichen Bezirken, beide sind sie in den letzten Jahren neuerlich aufs heftigste virulent geworden: als Eindringen der Fremde (in Gestalt des und der „Fremden“) in die eigene, „heimatliche“, so weit wie möglich anheimelnd eingerichtete und zumeist traditionell bestimmte Kultur-Welt, wie auch als zunehmend sich vergrößernde Kluft zwischen städtischer Metropolregion und den vielfach ländlich geprägten, zumeist finanz- und gleichermaßen infrastrukturschwachen „Desert Villages“.

In Alsfeld werden Unterschiede und Gegensätze solcher Art auf exemplarische Weise anschaulich, die Fragen nach und zu „Heimat“ stellen sich besonders dringlich. Hier leben in einer alten, traditionsgeprägten Stadt, mit Historie auf Schritt und Tritt, Menschen vieler Nationalitäten, leben innerhalb der Stadtgrenzen zahlreiche Geflüchtete, viele alte Menschen, eine beträchtliche Zahl gehandicapter, sozial benachteiligter und schwacher Mitbürger. Hier wird ehrenamtlich und seitens mehrerer Institutionen und Einrichtungen viel für Flüchtlinge getan und, großenteils ebenfalls im Ehrenamt, viel für Kultur und Kulturen. Alsfeld liegt, als Kleinstadt inmitten ländlicher Regionen, an einer viel befahrenen Autobahn, auf halber Strecke zwischen der Metropole Frankfurt am Main und der Documenta-Stadt Kassel; und es spiegelt, mehr als andere Land-Städte vergleichbarer Größe, auf überschaubarem Raum die Spannungen, Klüfte und Widersprüche, aber auch die Vielfalt und die Möglichkeiten einer in schwierigem Umbruch begriffenen Welt – einer Welt „im Fluss“, aus dem auch ein „Plus“ werden könnte.

Und wer spielt mit? Alle sind dazu aufgerufen, die zum Motto (passend) Ideen oder Programmpunkte – oder Mithilfe – beizutragen haben und für die wir als Planende im Zeit- und Ablaufplan dieser rund 10 Kultur-Tage ein Plätzchen (terminlich wie räumlich wie auch thematisch) finden.